ASTRA/ASTRA-D
Das ASTRA-Modell wurde ursprünglich im Rahmen des EU-Projektes ASTRA (Assessment of Transport Strategies) im 4. Forschungsrahmenprogramm der europäischen Kommission entwickelt, mit dem Ziel ein Werkzeug zur strategischen Bewertung der europäischen Verkehrspolitik aufzubauen. »Strategisch« bedeutete zum einen eine längerfristige Perspektive (30–50 Jahre Zeithorizont) zu wählen und zum anderen eine integrierte Analyse der Wirkungen sowohl im Verkehrssystem als auch im Wirtschaftssystem und im Umweltbereich durchzuführen. Zwischen den einzelnen Systemen kann eine Vielzahl von Rückkopplungen beobachtet werden. Diese werden mit System Dynamics als Modellierungsansatz in ASTRA abgebildet.
ASTRA umfasst 29 europäische Länder, die über Handels- und Verkehrsströme miteinander verknüpft sind. Es kam bereits in zahlreichen EU-Forschungsprojekten zum Einsatz. Beispiele sind die Abschätzung der Beschäftigungswirkung von Politiken zur Förderung Erneuerbarer Energien, die ökonomische Wirkung hoher Ölpreise auf die EU und die Bewertung von Klimaschutzstrategien im Verkehr. Dabei können Politikmaßnahmen sowohl einzeln als auch als Bündel und mit zeitlicher Staffelung untersucht werden.
Wesentliche Modellelemente von ASTRA sind anhand von Zeitreihen von 1990 bis 2003/2006 kalibriert. Für die makroökonomische Analyse sind insbesondere das Volkswirtschafts-Modul und das Außenhandelsmodul relevant. Ihnen kann die Entwicklung wichtiger ökonomischer Indikatoren wie Bruttoinlandsprodukt und Beschäftigung entnommen werden. Es werden 25 Wirtschaftssektoren betrachtet (NACE-CLIO-Kategorie). In ASTRA kommen Elemente aus verschiedenen Theoriegebäuden integrativ zum Einsatz, beispielsweise keynesianisch konsumgetriebenes Investitionsverhalten ergänzt durch investitionsfördernde Exporteinflüsse, neoklassische Produktionsfunktionen und technischer Fortschritt aus der endogenen Wachstumstheorie.
Das Bevölkerungsmodul liefert Rahmenbedingungen wie etwa das Arbeitskräftepotential an das makroökonomische Modul. Aus der Verknüpfung mit den DLR-Verkehrsmodellen stammen die Verkehrsausgaben und beeinflussen beispielsweise die Konsumausgaben für andere Sektoren oder den Staatshaushalt. Umgekehrt sind sektorale Produktionswerte und Exportströme wichtige ökonomische Treiber für den Güterverkehr.
Für Renewbility II kommt eine deutschlandspezifische Version, ASTRA Deutschland (ASTRA-D), zum Einsatz. Diese zeichnet sich durch eine Kalibrierung an deutschen Datenquellen aus sowie eine detailliertere regionale Auflösung. Dadurch wird ermöglicht, deutschlandspezifische Aspekte besser abzubilden. Die in Renewbility II für die volkswirtschaftlichen Module relevanten Verkehrsdaten stammen aus den Modellen des DLR. ASTRA Deutschland liefert seinerseits ökonomische Treiber für diese Modelle.